Einteiliges vs zweiteiliges Schallstück

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Moderator: Die Instrumentenbauer

Einteiliges vs zweiteiliges Schallstück

Beitragvon ulli926 » Freitag 23. Juni 2017, 10:09

Hallo,
Teure Instumente haben oft ein einteiliges Schallstück: Bach Strad., Hub van Laar, Baumann, etc. Es heisst, der Sound sei besser, die Ansprache leichter.
Amerikanische Marken, oft auch die Topmodelle, meist ein zweiteiliges: Conn, Holton.
Aber auch superteure wie Monette und Taylor. Andy Taylor sagte mal zu mir, dass zweiteilige Schallstücke auf schweren Trompeten besser seien. Monette verbaut allerdings auch auf seinen superleichten Modellen wie die MF immer zweiteilige. Weil er einteilig nich kann? Ist ja aufwändiger. Muss geschmiedet werden, zweiteilige nur gedreht.
Gibt es irgendwelche objektiven Befunde, Daten, für oder gegen die jeweilige Bauweise?
LG ulli
Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man bei dieser Taetigkeit den Erfolg sofort sieht. Einstein
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Re: Einteiliges vs zweiteiliges Schallstück

Beitragvon Wolfram » Donnerstag 29. Juni 2017, 18:33

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Re: Einteiliges vs zweiteiliges Schallstück

Beitragvon ulli926 » Donnerstag 29. Juni 2017, 21:17

Danke Wolfram,
aber gibt es keine neuen Erkenntnisse?
LG
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Re: Einteiliges vs zweiteiliges Schallstück

Beitragvon Wolfram » Sonntag 2. Juli 2017, 12:57

ulli926 hat geschrieben:Danke Wolfram,
aber gibt es keine neuen Erkenntnisse?
LG

Doch, die gibt es. Zum Beispiel beim IWK in der Uni Wien:
http://iwk.mdw.ac.at/lit_db_iwk/download.php?id=22342

Auch wenn in dieser Studie nicht detailliert das einteilige Schallstück mit dem zweiteiligen verglichen wurde... DIese Studie bestätigt (auf der 3. Seite) den Einfluss der Bauart von Schallstücken (vorhanden sein von Lotnaht) auf Schwingungs- und damit Klangeigenschaft.
LG, Wolfram
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Re: Einteiliges vs zweiteiliges Schallstück

Beitragvon ulli926 » Sonntag 2. Juli 2017, 16:37

Hallo,
hilft irgendwie auch nicht weiter. Scheint kein einfaches besser/schlechter Problem zu sein.
LG
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Re: Einteiliges vs zweiteiliges Schallstück

Beitragvon Wolfram » Sonntag 2. Juli 2017, 16:54

Ganz besonders stark ist dieser Einfluss im Bereich des
Schallstücks, wo eine kleine axiale Auslenkung der sich
steil nach außen krümmenden Wand die effektiv wirksame
Begrenzung der Luftsäule in radialer Richtung stark ver-
schieben kann. In diesem Bereich erzeugt das akustische
Druckfeld auch die stärksten axial wirksamen Ver-
schiebungskräfte. Die axialen Vibrationen werden also
hauptsächlich am Schallstücksende stimuliert oder auch am
Mundstücksende durch die schwingenden Lippen eingekop-
pelt. Es ist interessant, dass diese Art von axialer Schwingung
eine weit geringere Güte aufweist und einige nebeneinander
liegende Luftresonanzen beeinflussen kann


Diese Untersuchungen wurden bis jetzt an ungebogenen
isolierten Schallstucken mit relativ hoher Wandstärke
(0.55 mm) gemacht. Es ist zu erwarten, dass die zusätzlichen
Freiheitsgrade, die in ganzen Instrumenten durch Stützen,
Biegungen, Zuge etc. auftreten, den Einfluss von Material,
Wandstärke und Bauart noch deutlicher hervortreten wer-
den lassen. Schon die isolierten Schallstücke zeigen einen
deutlichen Unterschied zwischen Theorie und Praxis, da
die gelötete und gehämmerte Naht einen Mode-Split verur-
sacht und den Grundmodus bei etwa 700 Hz in zwei Halbmoden
bei 690 und 710 Hz zerfallen lässt. Auch die höheren
Längsmoden zerfallen in einen Anteil bei der Naht und einen
der gegenüberliegenden Seite.

Zitate aus "FAMA Seminar Nuancen in der musikalischen Akustik – Grenzgang zwischen Fakt und Mythos Detmold, 9./10. November 2013" Seite 42-43

Wenn davon die Rede ist, dass die Schwingung hinter einer "Barriere" wie Schallstücknaht und/oder Mundstücksende "eine weit geringere Güte aufweist" ist das schon eine deutliche Beurteilung.
Ob diese "geringere Güte" sich für den Musiker und Zuhörer markant auswirkt... darüber darf weiterhin heftig diskutiert werden, denn auch in der Messung waren diese Symptome nur für einen kurzen Moment sichtbar und hörbar!

Du kannst dir beim Test der Instrumente selber eine Meinung bilden, ob dich die Schwingungsunterbrechung eines zweiteiligen Schallstücks stört oder ob du damit gut zurecht kommst. Beide Varianten wird es im Instrumentenbau auch in Zukunft geben!
LG, Wolfram
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Re: Einteiliges vs zweiteiliges Schallstück

Beitragvon ulli926 » Sonntag 2. Juli 2017, 18:59

Hallo Wolfram,
Was ich meine: Zweiteilige Schallstuecke haben ja am SCHALLSTUECKENDE keine Naht. Sie ist 10cm weiter oben. Daher muesste die Laengsnaht der einteiligen Schallstuecke eher mehr stoeren. Und wie wirken sich Laengsnaht gegenueber Quernaht aus. Offene Fragen, fuer die ich keine Antwort gefunden habe.
LG
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Re: Einteiliges vs zweiteiliges Schallstück

Beitragvon X1_KNOXVILLE » Sonntag 2. Juli 2017, 19:28

ulli926 hat geschrieben:Offene Fragen, fuer die ich keine Antwort gefunden habe.

Vielleicht kann das Institut deine Frage beantworten ?
https://iwk.mdw.ac.at/?page_id=2&sprache=1
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Re: Einteiliges vs zweiteiliges Schallstück

Beitragvon Wolfram » Sonntag 2. Juli 2017, 22:02

ulli926 hat geschrieben:Hallo Wolfram,
Was ich meine: Zweiteilige Schallstuecke haben ja am SCHALLSTUECKENDE keine Naht. Sie ist 10cm weiter oben. Daher muesste die Laengsnaht der einteiligen Schallstuecke eher mehr stoeren. Und wie wirken sich Laengsnaht gegenueber Quernaht aus. Offene Fragen, fuer die ich keine Antwort gefunden habe.
LG

Doch es ist eine Naht, denn die zwei Teile werden ja gelötet oder geschweisst. Die Metallstruktur ist komplett abgeschnitten und beginnt mit dem zweiten Teil wieder neu. Der zweite Teil unterbricht deshalb die Schwingung und muss erst wieder neu aufgebaut werden. Deshalb ist dieser kurze Moment der Schwingungsveränderung zu messen und zu sehen.
Bei einem einteiligen Schallstück gibt es diese Unterbrechung nicht. Die Schwingung wird gerade in dem wichtigen Teil des Schallbechers ununterbrochen zur Entfaltung gebracht. Die Vorteile sind doch offensichtlich und in diesem Dokument gut beschrieben.
LG, Wolfram
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