Hals macht zu

Wie kann ich die Atmung verbessern ? Wie wichtig ist die Atmung für das Trompetespielen ?
Hier gibt es die Antworten auf solche Fragen.

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Re: Hals macht zu

Beitragvon SirToby » Mittwoch 16. November 2016, 22:07

Eine sehr interessante und bereichernde Einschätzung deinerseits - gefällt mir sehr. :)

Besonders hervor sticht für mich, dass mir in letzter Zeit das Mundstückbuzzen (auf Basis der Thompson-Übungen, allerdings meinen Bedürfnissen enstprechend abgewandelt) und die Breath Attacks sehr bei der Weiterentwicklung eines effizienteren Ansatzes / Trompetenspiels geholfen haben. Während das Buzzen wie anscheinend auch in Teilen bei dir zur Optimierung von Kieferstellung, Muskelansatz und Mundstückposition dient, helfen mir die Breath Attacks sehr im Bereich der fokussierten Luftführung. Das WIE ist mir dabei wichtiger als das WAS, so dass ich meine täglichen Sessions nach dem Mundstückbuzzen einfach entlang des Heftchens "Fit mit Schmidt" (1) von Eckhardt Schmidt (HfMT Hamburg) mit Halbtonbendings, Clarke 2 & 3 inkl. Variationen und danach dem langsamen Einflechten eines präzisen Anstoßes beginne.

Als Strategie zur Bewältigung komplizierterer Stücke hat mir ein ehemaliger Student Prof. Krämers und heutzutage erfolgreicher Orchestertrompeter seine bewährte Strategie nahegelegt: Mundstückbuzzen - Luft und Grifffolgen auf dem Instrument (ohne echten Ton) - normales Spiel.
Addiert man nun den Prof. Max Sommerhalder hinzu, kommt man auf: Singen - Buzzen - Luft auf Grifffolgen - normales Spiel.
Bezüglich des von dir angesprochenen Pfeifens habe ich allgemein recht negative Auswirkungen auf meine Zunge-Luft-Koordination während des Trompetenspiels gemacht. Trotz der eigentlich ja förderlichen Einprägung der Kardinallaute (bei mir: u-ä-e-ich) stellt sich dadurch eher negativer Erfolg ein. Keine Ahnung warum...


Gruß
Toby

(1) https://www.koebl.de/de/category/Etuede ... /index.php
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Re: Hals macht zu

Beitragvon buddy » Donnerstag 17. November 2016, 08:16

SirToby hat geschrieben:...stellt sich dadurch eher negativer Erfolg ein. Keine Ahnung warum...

Dazu habe ich leider keine Idee, "Pfeifen" gehört aber auch nicht zu meinem Vorgehen. Das war nur aus dem Buch vom McWilliam zitiert, der sieht den Nutzen in der dann automatisch richtigen Zungenstellung.
Kardinalvokale sollen wohl der Mobilisierung der Zunge dienen. Ich übe das nicht, weil ich mir den Nutzen einer so groben willentlichen Bewegung für die erforderliche feine unbewusste Koordination beim Spielen nicht vorstellen kann. Was ich mit innerlich gesungenen a-e-i... übe, sind die Bindeübungen aus Colin, Irons und Lin Bai, aus Colin auch die Lip Trills.

Deine Aufzählung der Methoden einiger Profs ist wirklich interessant. Offenbar gibt es da einen Konsens darüber, wie man sich das Trompete üben durch effektives Üben leichter machen kann. Meine Lehrer kannten alle das Buzzing als Begriff, wussten damit methodisch aber nichts anzufangen. Da wurde kurz mal ein paar Sekunden ins Mundstück gebuzzt, ob ein Tönchen kommt und das wars. Als ich vor ein paar Jahren die Clips bzw. dann die Lehrvideos von R. Friedrich und in der Anwendung auf musikalische Passagen die von Kristian Steenstrup sah, war das die reinste Offenbarung.
Zuletzt geändert von buddy am Donnerstag 17. November 2016, 10:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Hals macht zu

Beitragvon Sandu » Donnerstag 17. November 2016, 09:12

SirToby hat geschrieben:Trotz der eigentlich ja förderlichen Einprägung der Kardinallaute (bei mir: u-ä-e-ich) stellt sich dadurch eher negativer Erfolg ein. Keine Ahnung warum...


Eine Vermutung aus eigener Erfahrung:
Solange ein System ausgeprägter Luftführung noch nicht ganz etabliert ist, stellt die Zungenarbeit eine Art Kompensationsmechanismus - quasi (übertrieben formuliert) eine faule Abkürzung - dar.
Das hört sich jetzt vielleicht seltsam an, aber ich kenne Pädagogen, die bei neuen Schülern erst einmal speziell darauf achten, dass diese möglichst viel über die Luft arbeiten und dann erst später "Tricks" wie den Zungenrücken etc. dazu nehmen. Das hängt allerdings sicherlich vom Entwicklungsstand ab.
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Re: Hals macht zu

Beitragvon SirToby » Donnerstag 17. November 2016, 22:24

buddy hat geschrieben:Deine Aufzählung der Methoden einiger Profs ist wirklich interessant. Offenbar gibt es da einen Konsens darüber, wie man sich das Trompete üben durch effektives Üben leichter machen kann.


Vielleicht lässt sich das ähnliche Vorgehen so erklären, dass von der für den Menschen natürlichsten Musizierform (=dem Singen) die musikalische Vorstellung Schritt für Schritt auf das Instrument übertragen wird. Bei jedem neuen Schritt wird ein Teil des alten beibehalten und ein Teil Neues hinzugefügt. Dabei wird auf grobe Brüche zwischen verschiedenen Aktivitäten verzichtet, sodass schlussendlich eine kontinuierliche Furt durch anstatt einzelner Sprünge zwischen großen Steinen über den Bach (auf den man auch mal abglitschen kann) entsteht.


buddy hat geschrieben:Meine Lehrer kannten alle das Buzzing als Begriff, wussten damit methodisch aber nichts anzufangen. Da wurde kurz mal ein paar Sekunden ins Mundstück gebuzzt, ob ein Tönchen kommt und das wars. Als ich vor ein paar Jahren die Clips bzw. dann die Lehrvideos von R. Friedrich und in der Anwendung auf musikalische Passagen die von Kristian Steenstrup sah, war das die reinste Offenbarung.


Da dass Buzzen für mich hauptsächlich den Zweck der technischen Optimierung im Bereich von Ansatzmaske und Zungenarbeit darstellt, könnte es der Fall sein, dass viele sehr gute Trompeter dort von Anfang an (Srichwort: Purzelbaumkind) nicht viel für sich zu feilen sahen und deswegen für sie nicht die Notwendigkeit bestand, dass Buzzen in ihr Übeprogramm aufzunehmen. Wer weiß...

Sandu hat geschrieben:Eine Vermutung aus eigener Erfahrung:
Solange ein System ausgeprägter Luftführung noch nicht ganz etabliert ist, stellt die Zungenarbeit eine RT Kompensationensmechanismus - quasi (übertrieben formuliert) eine faule Abkürzung - dar.


Ein sehr interessanter Aspekt, den du da ansprichst. Magst du einmal für mich einmal genauer ausführen, was du für dich genau unter "ausgeprägter Luftführung" verstehst und welche Defizite du dort wie beseitigt hast?



Gruß
Toby
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Re: Hals macht zu

Beitragvon buddy » Freitag 18. November 2016, 09:04

SirToby hat geschrieben:... deswegen für sie nicht die Notwendigkeit bestand, dass Buzzen in ihr Übeprogramm aufzunehmen...

Das kann gut sein. Nach den Zitaten oben und nach Äußerungen in Veröffentlichungen gibt es allerdings auch unter den "happy few" der Hochbegabungen mit professioneller Karriere eine "Buzzing Fraktion" und das auch bei Posaunisten oder Hornisten.
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Re: Hals macht zu

Beitragvon Sandu » Freitag 18. November 2016, 10:53

SirToby hat geschrieben:Ein sehr interessanter Aspekt, den du da ansprichst. Magst du einmal für mich einmal genauer ausführen, was du für dich genau unter "ausgeprägter Luftführung" verstehst und welche Defizite du dort wie beseitigt hast?


Beseitigt haben werde ich den wohl nie, aber zur Idee:
Gerade wenn man bspw. Naturtonbindungen oder Akkordbrechungen spielt, habe ich die Beobachtung gemacht, dass man den jeweils nächst höheren Ton mit einer Verengung (Lippen, Zunge/Mundraum) erreichen kann oder indem man bewusst versucht, den Ton mit Luftgeschwindigkeit zu pushen. Übt man Zweiteres, bleibt einem gewissermaßen Ersteres als Reserve für den "realen Einsatz" :wink: .
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Re: Hals macht zu

Beitragvon SirToby » Montag 21. November 2016, 00:31

buddy hat geschrieben:Nach den Zitaten oben und nach Äußerungen in Veröffentlichungen gibt es allerdings auch unter den "happy few" der Hochbegabungen mit professioneller Karriere eine "Buzzing Fraktion" und das auch bei Posaunisten oder Hornisten.

Wobei ja professionelle Laufbahn und gefûhlt unereichbare Beherrschung des Instruments nicht unbedingt auf geradem Weg erreicht sein müssen.

Sandu hat geschrieben:Gerade wenn man bspw. Naturtonbindungen oder Akkordbrechungen spielt, habe ich die Beobachtung gemacht, dass man den jeweils nächst höheren Ton mit einer Verengung (Lippen, Zunge/Mundraum) erreichen kann oder indem man bewusst versucht, den Ton mit Luftgeschwindigkeit zu pushen. Übt man Zweiteres, bleibt einem gewissermaßen Ersteres als Reserve für den "realen Einsatz" :wink: .


Genau das merke auch ich in meinem täglichen Programm sehr deutlich beim Wechsel zwischen Flatterzunge und Luftführungszunge während der Durchläufe von Clarke 2&3.
Vielleicht wäre dann der ideale Mittelweg einfach die Kombination aus beidem, sodass sowohl in Richtung Luftführung als auch Muskelkraft Reserven bleiben? So zumindest mein Vorgehen...



Gruß
Toby
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Re: Hals macht zu

Beitragvon Oliver_Adams » Dienstag 13. Juni 2017, 22:06

Sehr aufschlussreicher Beitrag, ich habe seit einiger Zeit das gleiche Problem:
Nach ca. 30 min maggio einspielen geht der Hals langsam immer weiter zu, kopf nach oben
Hilft da ein wenig aber das Grundproblem bleibt.
Meine Theorie ist das es wohl ein Zusammenspiel zwischen den muskelgruppen Lippe/Zunge/hals
Gibt, je mehr die Zunge bei der Höhe ins Spiel kommt will der Hals auch anspannen und so fort.
Dazwischen pausieren und singen oder Buzzen bringt schon etwas Entspannung, aber es schleicht sich immer wieder diese Verkrampfung ein. An manchen Tagen kann man die ganzen 5 Teile durchspielen und es geht wie Butter ganze 3 h lang.
Evtl. Gibt es Übungen die Zunge etc. Auch einzeln zu trainieren?

Lg

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Re: Hals macht zu

Beitragvon Alien » Samstag 17. Juni 2017, 09:43

Oliver_Adams hat geschrieben:Sehr aufschlussreicher Beitrag, ich habe seit einiger Zeit das gleiche Problem:
Nach ca. 30 min maggio einspielen geht der Hals langsam immer weiter zu, kopf nach oben
Hilft da ein wenig aber das Grundproblem bleibt.
Meine Theorie ist das es wohl ein Zusammenspiel zwischen den muskelgruppen Lippe/Zunge/hals
Gibt, je mehr die Zunge bei der Höhe ins Spiel kommt will der Hals auch anspannen und so fort.
Dazwischen pausieren und singen oder Buzzen bringt schon etwas Entspannung, aber es schleicht sich immer wieder diese Verkrampfung ein. An manchen Tagen kann man die ganzen 5 Teile durchspielen und es geht wie Butter ganze 3 h lang.
Evtl. Gibt es Übungen die Zunge etc. Auch einzeln zu trainieren?

Lg

Oliver


Hallo !
Ich kann dir helfen:
Tempo 80- metronom läuft
1takt - Vorzählen
2takt - gähnen,
3takt- einsätzen ,einatmen über die nase in rhytmus bleiben
4. viertel noten auf HA - hahahaha, haha haaaaaa auf trompete spielen. ( ohne anstoßen) bauch locker
5. viertel noten auf GA- gagagaga, gaga gaaaaa auf trompete spielen.
Das ist der anfang um hals locker zu kriegen- einfach gähnen!
( gefühl zu gähnen zu erzeugen- wenn du auf der Bühne bist) ;)
Alien
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